Einführung von Wechselunterricht in Schulen stößt auf reges Interesse

09.12.2020 
Redaktion
 
Foto: dpa/Fleig/Eibner-Pressefoto

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Stuttgart/Karlsruhe. Die Möglichkeit für Schulen in Corona-Hotspots, ab der achten Klasse Wechselunterricht einzuführen, stößt in Baden-Württemberg auf reges Interesse. Nachdem die Schulleitungen am Montagabend durch das Kultusministerium über die aktualisierte Corona-Verordnung Schule informiert worden waren, gingen bereits am Dienstagmorgen die ersten Anfragen bei den Regierungspräsidien und staatlichen Schulämtern als zuständigen Schulbehörden ein. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bis Dienstagnachmittag.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die vornehmlich Lehrer vertritt, befürchtet indes ein langwieriges Genehmigungsverfahren und fordert landesweite Lösungen. Im Regierungsbezirk Karlsruhe etwa zeigten bereits Leiter von mehr als zehn Schulen Interesse.

Eisenmann: Wechselunterricht nur, wo Coronazahlen sehr hoch sind

Laut einer Sprecherin des Regierungspräsidiums waren dies berufliche, Real- und andere Schulen in Mannheim, Pforzheim, Nagold (Kreis Calw) und Calw. Voraussetzung für den Wechselbetrieb ist laut aktueller Corona- Verordnung, dass die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sich in einem Hochrisikogebiet befinden. Am Montag waren acht Stadt- und Landkreise von Infektionszahlen betroffen, die Bedingung für die Maßnahme sind.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erklärte am Dienstag, sie ermögliche in Regionen mit sehr hohen Corona-Zahlen einen Wechselbetrieb zwischen Präsenz- und Fernunterricht.

Den Vorschlag der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina für eine zeitweise vollständige Aufhebung der Schulpflicht bereits ab der nächsten Woche beurteilte sie dagegen sehr kritisch. „Denn das bedeutet nichts anderes als landesweite Schulschließungen - und noch nicht mal Fernunterricht“, teilte die Ministerin mit. „Diesen drastischen Schritt der flächendeckenden Schulschließungen wollen wir weiterhin zwingend vermeiden, weil wir aus der Zeit im Frühjahr gelernt haben."

SPD-Fraktionschef Stoch wirft Ministerin "gefährliche Verhinderungspolitik" vor

Außerdem seien die Zahlen der geschlossenen Schulen und Schulklassen oder Gruppen in Quarantäne nach wie vor vergleichsweise gering. „Einen landesweiten Stillstand für die Bildung wolle man unbedingt vermeiden. „Dass ausgerechnet eine wissenschaftliche Institution dies fordert, überrascht doch ein bisschen“, kritisierte Eisenmann.

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch wiederum, Eisenmanns Vorgänger im Ministeramt, wirft dieser nun „eine gefährliche Verhinderungspolitik“ vor. „Sie hängt die Hürden für den Wechselunterricht hoch, um die Schulen davon abzuschrecken, den dringend nötigen Wechselbetrieb jetzt einzuführen“, kritisierte Stoch am Mittwoch. „Dabei scheint sie das Infektionsgeschehen im Land völlig auszublenden. Das halte ich für unverantwortlich!“

Die Kultusministerin wolle ihren Willen um jeden Preis durchsetzen. „Sie hat nie verstanden, dass es mehr Varianten gibt als komplette Öffnung oder komplette Schließung der Schulen“, so Stoch.


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