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Rundum-Betreuung für den Start in ein neues Leben

Staatsanzeiger: Ausgabe 31/2016
Von: Geckeler, Markus 

Projekt 11: Tübingen Kategorie 4

Wenn Flüchtlingen Geld für Anschaffungen fehlt, wenn ihre Kinder mittags Hunger haben, hilft in Tübingen das Aktionsbündnis Flüchtlingsnothilfe. Aber die Flüchtlinge halten nicht nur die Hand auf, sondern geben zurück: Sie helfen, wenn es gilt, anzupacken. TÜBINGEN. Rundum Hochhäuser, Beton, brütende Hitze: Das Ladenzentrum im Tübinger Stadtteil Waldhäuser Ost wirkt an diesem Freitag alles andere als einladend. Doch im Innern des Stadtteiltreffs, einem ehemaligen Laden direkt im Zentrum des Stadtteils, lärmen rund 50 Schulkinder. Sie bekommen hier ihr Mittagessen, heute gibt es Pfannkuchen mit Apfelmus. Anne Kreim beobachtet das Treiben mit Freude. „Die Grundschule hat keinen Platz für eine Mensa, also kommen die Kinder zum Essen hierher“, sagt die 66-Jährige.
Die Idee mit dem Stadtteiltreff kam, als das Ladenzentrum leer stand
Kreim kennt dieses Gebäude wie keine Zweite: Sie hat es nicht nur 20 Jahre lang verwaltet. Als das Ladenzentrum vor einigen Jahren leer stand – es hatte unter anderem gebrannt –, kam ihr die Idee mit dem Stadtteiltreff. Als ehrenamtliche Bauleiterin hat sie den Umbau selbst geplant und ist nun als Vorsitzende für das Programm mit zuständig. Von „Stricken macht Spaß“ bis zu „Wir spielen Schach“ reichen die Veranstaltungen, die in dem ehemaligen Ladengeschäft fast täglich stattfinden.
„Mir macht es Freude, Strukturen zu schaffen für das Ehrenamt“
Als die Stadtverwaltung im Oktober 2014 ankündigte, dass 70 bis 100 Flüchtlinge in den Stadtteil verlegt werden sollten, war für Kreim wieder Zeit zum Handeln. „Mir macht es Freude, Strukturen zu schaffen für das Ehrenamt“, sagt die 66-Jährige, die im Kuratorium der Stiftung Bildung sitzt, Bundesvorsitzende der Kita- und Schulfördervereine ist und als FDP-Stadträtin im Gemeinderat sitzt. Mit anderen Worten: kennt sich in Gremienarbeit wirklich aus und hat sich im Leben viel mit Fördermitteln beschäftigt. Gemeinsam mit 16 anderen Initiativen gründete sie und Silvia Takacs das Aktionsbündnis Flüchtlingsnothilfe, damit den neuen Nachbarn unbürokratisch geholfen werden kann. Mit diesem Konzept bewarb sich die Initiative um das Spendengeld des Schwäbischen Tagblatts bei dessen Weihnachtsaktion. 66 000 Euro kamen so im Februar 2015 zusammen. Regelmäßig treffen sich Vertreter der 17 Initiativen, die vom Arbeitskreis Asyl über die Kirchen bis zur Bahnhofsmission reichen, um über die Verwendung der Gelder zu beraten. Mittlerweile wurden eigene Förderkriterien erarbeitet, doch erst 14 000 Euro sind an Flüchtlinge geflossen, meist in Kleinbeträgen. „Ehrenamtliche gehen sehr sparsam mit Geld um“, sagt Kreim. Angeschafft wurden beispielsweise Wörterbücher für Flüchtlinge in den Vorbereitungsklassen der beruflichen Schulen. Allerdings müssen die Jugendlichen auch einen Eigenanteil von fünf Euro selbst bezahlen. „Das hat sich bewährt“, sagt Kreim. Sie lobt die vielen ehrenamtlichen Helfer im Stadtteil. „Wir holen die Leute“, sagt Kreim. Als im „Cafe International“ keine Flüchtlinge auftauchten, fuhren die Helfer in die Niethammerstraße, wo einige der Flüchtlinge wohnen und haben sie „eingesammelt“. Mittlerweile kommen sie von selbst. Ähnlich soll es auch bei den 70 Flüchtlingen funktionieren, für die jetzt Unterkünfte gebaut werden. Kreim, die Sprecherin der Koordinationsgruppe Flüchtlinge Nordstadt ist, hat zur Gründung eines neuen Unterstützerkreises aufgerufen. Die Helfer sollen den Umzug mit betreuen, organisieren den Hausrat, gehen mit den Flüchtlingen einkaufen und coachen dann auch bei der Arbeitssuche. Dass so eine Patenschaft für Flüchtlinge ein Lebensprojekt ist, weiß die dreifache Mutter aus eigener Erfahrung. Seit 30 Jahren kümmert sich Kreim um eine Familie aus Eritrea, doch noch immer gilt: „Wenn sie Sorgen haben, stehen sie bei mir vor der Tür.“

Übersicht der Leuchttürme der Bürgerbeteiligung
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