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„Verspäte mich, die Kamele sind weggelaufen“

Staatsanzeiger: Ausgabe 42/2016
Von: Durlacher, Mike 

Projekt 34: Markdorf Kategorie 2

Mit Musik geht vieles besser. Dieses Motto beherzigt der Vorstand der Musikschule Markdorf auch in der Flüchtlingsarbeit - und hat mithilfe einer Stiftung und unter reger Beteiligung von Flüchtlingen ein Musical einstudiert. Es wurde ein großer Publikumserfolg – und brachte die Akteure einander näher. markdorf. Zwei palästinensische Kinder singen aus tiefstem Herzen und voller Begeisterung: „Wir Kinder Israels sind niemals allein. Darauf können wir bauen, unserer Zukunft vertrauen“. Sie spielen die biblische Szene, in der Joseph im Gefängnis sitzt – im Musical „Joseph“ von Andrew Lloyd Webber, das dieses Jahr im Rahmen des Stadtfests in Markdorf (Bodenseekreis) aufgeführt wurde. Das Besondere daran ist, dass dieses Jahr auch Flüchtlinge daran beteiligt waren. Die beiden Kinder, die mit großer Inbrunst singen, sind Flüchtlingskinder. Diese Szene hat die musikalische Leiterin Margit Koch-Schmidt tief berührt.
Zuschauerandrang war groß und überstieg sogar das Platzangebot
Musicals finden im zweijährigen Turnus in Markdorf statt. Als sich Margit Koch-Schmidt und Reinhard Nedela, Vorsitzender der Musikschule Raumschaft Markdorf und Mitglied des „Freundeskreises Flucht und Asyl“, im Oktober 2015 trafen, um zu überlegen, welches Musical als nächstes aufgeführt werden könnte, kam die Idee zu dem Projekt. Flüchtlinge in das Musical einzubinden und die Integration zu fördern, schien naheliegend. „Das Musical bot sich an, da es das einzige von Webber ist, das auch für Laien geschrieben ist und demzufolge realisierbar ist“, so Koch-Schmidt, die seit 25 Jahren an der Musikschule arbeitet. Neben Musikern und verschiedenen Chören der Musikschule stellen erwachsene und minderjährige Flüchtlingen rund ein Siebtel der Gruppe. „Am Anfang gab es große Probleme. Es war für die Flüchtlinge eine Umstellung, eine Verpflichtung einzugehen“, sagt Koch-Schmidt. „Ich gebe mein Herzblut dafür, die Menschen zum Singen zu bringen, ich zweifelte an mir selbst, warum sie nicht zu den Proben kamen oder unpünktlich waren“, führt die Chorleiterin aus. „Eine große Wende gab es, als die Proben nicht mehr einzeln, sondern in der Stadthalle stattfanden. Da hat sich das Gesamtbild zusammengefügt“, sagt Nedela. „Die Begeisterung ist gestiegen und alle sind mit großem Eifer bei der Sache gewesen.“ Und sie wurden belohnt: „Das Musical war ein voller Erfolg. Wir mussten jeden Abend Leute wegschicken, der Saal war voll“, erzählt Koch-Schmidt stolz. Einer Wiederaufführung stehe nur die Finanzierung im Weg, so Nedela.
Auch andere Geschlechterrollen wurden bereitwillig übernommen
Kulturelle Probleme gab es außer mit der Pünktlichkeit nicht. Die Ähnlichkeit von Sure 12 im Koran und Genesis 37 in der Bibel, die Josephsgeschichte, führte eher zu Gemeinsamkeiten: „Es gab keine Differenzierung von Geschlecht, Herkunft oder Religion. Mädchen haben sich als Männer verkleidet und haben sich Bärte aufgemalt“, sagt Nedela. „Oder gestandene Flüchtlingsmänner haben sich als Kamel verkleidet. Das war etwas heikel, wir wollten nicht, dass sie das Gefühl bekommen, dass sie sich lächerlich machen. Eine andere Rolle dieser Männer waren die Wachen des Pharaos. In dieser sind sie richtig aufgegangen“, schmunzelt Koch-Schmidt. Sie erinnert sich auch an eine SMS von Nedela, als dieser die Flüchtlinge abholen wollte, die die Kamele spielten, aber nicht aufzufinden waren: „Verspäte mich, die Kamele sind weggelaufen.“
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Weitere Informationen finden Sie unter: ww.FFA-Markdorf.de

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