Viele Städte wünschen sich altes Kfz-Kennzeichen zurück

12.01.2012 
Redaktion
 

Heilbronn. Eine schmachtet nach LEO, andere würden gern ÜB oder ÖHR auf Autos lesen: Mindestens zwölf Städte im Südwesten und etliche weitere in ganz Deutschland wünschen sich die alten Kennzeichen zurück, die zumeist in den 1970er Jahren der Gemeindereform zum Opfer gefallen sind.

Jetzt kommt Bewegung in die Sache: Für Ende Januar hat der Bund-Länder-Fachausschuss das Thema auf der Tagesordnung. Er wolle eine entsprechende rechtliche Grundlage entwerfen, sagt eine Sprecherin des Verkehrsministeriums. Die Städte wird es freuen, den Landkreistag weniger. 

Schwäbisch Gmünd hat sich zur Kernzelle der Altkennzeichen-Bewegung entwickelt. Um „GD“ scharren sich mittlerweile elf weitere Städte — etwa Bad Säckingen (SÄK), Crailsheim (CR), Leonberg (LEO), Tettnang (TT) und neuerdings auch Öhringen (ÖHR). Einige von ihnen haben sogar die „Gmünder Erklärung“ mit unterzeichnet, welche die Wahl zwischen neuem und alten Nummernschild fordert.  

Hochschulprofessor aus Heilbronn hat Diskussion angestoßen

Den Anstoß hatte ein Hochschulprofessor aus Heilbronn gegeben. Ralf Bochert und seine Leute hatten 2010 und 2011 für eine Studie rund 30 000 Menschen in 144 deutschen Städten befragt und herausgefunden: Die alten Nummernschilder können für Städte zu einem interessanten Marketing-Instrument werden. 73 Prozent der Befragten hätten sich für alten Kennzeichen als Wahlnummernschilder ausgesprochen, darunter laut Bochert auch „erstaunlich viele jüngere“. Mit den alten Kennzeichen könnten die Städte auf ihre Größe und Bedeutung hinweisen, betont er.  

Schwäbisch Gmünds Stadtsprecher Markus Herrmann sagt, im Ostalbkreis seien unter dem Kennzeichen AA (Aalen) einige Städte zusammengefasst worden, die ungefähr gleich stark seien. „Wir sind die älteste Stauferstadt. Die Leute identifizieren sich einfach mehr mit ihrer eigenen Stadt.“ „GD“ als alternatives Wahlkennzeichen führe nicht zu mehr Bürokratie und solle auch den Kreis nicht infrage stellen. Vielmehr sehe die Stadt hier „ein tolles Marketing-Werkzeug“.  

In Leonberg hofft man auf altes Kennzeichen

Gleiches in Tettnang: Der Doppelmitlaut „TT“ sei als Identifikation in der Stadt erhalten geblieben, obwohl das Kennzeichen abgeschafft wurde. „Es hat sehr viel Charme“, sagt Bürgermeister Bruno Walter — mehr als ihr heutiges „FN“ für Friedrichshafen. Er rät aber davon ab, die Sache zu verbissen zu sehen.  

Leonbergs Oberbürgermeister Bernhard Schuler erklärt „LEO“ (heute „BB“ für Böblingen) kurzerhand zum schönsten Kennzeichen in der ganzen Bundesrepublik. „Wer hat schon ein Alt-Kennzeichen, das die Kraft seiner Bürger so gut zum Ausdruck bringt und gleichzeitig das Wappentier Löwe aufgreift“, schwärmt er. Mit der Abschaffung sei der Stadt seinerzeit „ein Stück Identität weggebrochen“, führt eine Stadtsprecherin aus. Deshalb hoffe man nun auf das neue alte Wahlkennzeichen.  

Landkreistag befürchtet hohe Kosten und unnötigen Verwaltungsaufwand

Alarm schlägt allerdings der Landkreistag: Dessen Verkehrsexpertin Natalie Münz fürchtet größere Kosten und einen unnötigen Verwaltungsaufwand für die Landkreise. Die jetzigen Nummernschilder hätten sich eingespielt, es gebe keinen Grund, das wieder aufzubrechen. „Einige Kennzeichen, wie etwa BK für Backnang, sind inzwischen auch neu vergeben und stehen gar nicht mehr zur Verfügung“, sagt sie.  

Im grünen Verkehrsministerium sieht man die Sache pragmatisch: „Wenn die Kennzeichen gewünscht werden, stellt sich das Land nicht quer“, sagt ein Sprecher. Die Entscheidung liege aber beim Bund. Gebe es von dort grünes Licht, könnten alle Altkennzeichen, die noch nicht neu vergeben seien, als Wunschkennzeichen zugelassen werden.Insgesamt sind dies 28 ohne „BK“ (heute Börde in Sachsen-Anhalt). Darunter sind etwa „NEU“ für Titisee-Neustadt, „BH“ für Bühl oder „WG“ für Wangen im Allgäu. Ob man sie und das aktive Dutzend eines Tages wieder auf den Straßen des Landes finden wird? Der Fachausschusses Ende Januar könnte zum Fingerzeig werden. Das letzte Wort haben dann Bundestag und Bundesrat.


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