Land nimmt nicht mehr am Projekt „Länderabitur“ teil

15.02.2012 
Redaktion
 

Stuttgart. Das von der schwarz-gelben Regierung mit anderen Bundesländern initiierte Projekt „Länderabitur“ zur besseren Vergleichbarkeit der Abiturleistungen wird von Grün-Rot aufgegeben. Baden-Württemberg nehme an dem Projekt seit September 2011 nicht mehr teil, erklärte Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) in der  Landtagsdebatte an diesem Mittwoch zur „bundesweiten Vergleichbarkeit der Abiturleistungen“.

Die Ministerin sieht dagegen das Hauptelement für eine länderübergreifende Qualitätssicherung des Abiturs in den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz für die allgemeine Hochschulreife, nicht aber in einer zentralen Steuerung über bundeseinheitliche Abschlussprüfungen.

Die CDU geführte Vorgängerregierung hatte Ende 2010 angekündigt, mit Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die Vergleichbarkeit ihrer Abiturprüfungen zu bessern und dazu einen gemeinsamen Aufgaben-Pool in Deutsch und Mathematik zu entwickeln. Warminski-Leitheußer lehnt auch ein gemeinsames „Kernabitur“ der Länder mit einheitlichen schriftlichen Prüfungen in den Kernfächern ab.

„Die Diskussion über Länder- und Süd-Abitur hat sich durch den Beschluss der Kultusministerkonferenz überholt, gemeinsame qualitative Bildungsstandards zu erarbeiten.“ Dieser vom Institut für Qualitätssicherung in der Bildung zu entwickelnde Aufgabenpool werde vermutlich im Juni oder Herbst verabschiedet. Warminski-Leitheußer konstatierte, Baden-Württemberg habe ein sehr hohes Niveau und setze die Qualitätssicherung weiter fort.

Volker Schebesta (CDU) sagte, seine Fraktion habe immer Wert auf Qualität und hohen Anspruch des Abiturs gelegt. Deshalb dürfe es keine Abstriche bei den Anforderungen für die Reifeprüfung geben. Schließlich habe die Mobilität zugenommen und auch die Anschlüsse der Bildungswege. Daher brauche man Bildungsstandards, gegen die die SPD jahrelang Widerstand geleistet habe. Schebesta hält nach wie vor das Länderabitur als sinnvoll.

Auch für Timm Kern (FDP) ist es unverständlich, dass sich Baden-Württemberg aus der Initiative zurückgezogen hat. Die Länder müsste eine Vergleichbarkeit finden, denn Angebote für Schulwechsler - sowohl von Bundesland zu Bundesland als auch beim Wechsel von Schulformen - würden fehlen. Ob die Gemeinschaftsschulen das richtige Mittel sind, das Manko zu beheben, sei zweifelhaft, urteilte der Gymnasiallehrer.

Sandra Boser (Grüne) sprach sich dafür aus, die Bildungsstandards weiter zu verfolgen. Das „Kern-Abitur“ lehnte sie ab, da in Baden-Württemberg durch die Vielzahl der Möglichkeiten, zur Reifeprüfung zu kommen, unterschiedliche Prüfungen notwendig seien. Vielmehr müsse die Qualität der Schulen verbessert werden. Für die SPD lehnte Stefan Fulst-Blei ein Deutschland weites zentrales Abitur ab. Wichtiger sei, sagte der Mannheimer Berufsschullehrer, dass zum Beispiel bei G8 die Fähigkeit zur Kritik und Reflexion nicht untergehe.


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